35 Jahre für Musik und Gesang
Heiner Block geht nach 35 Jahren als Kantor in St. Martinus in den Ruhestand
Nottuln, 01.07.2025 - Wie oft Heiner Block die dunkle Eichentür aufgeschlossen, sich anschließend durch den niedrigen Türdurchgang gezwängt und dann die 24 Stufen der engen, steinernen Wendeltreppe hinaufgegangen ist, er hat es nicht gezählt. Doch diesen Weg, der zur Orgelempore in der St.-Martinus-Kirche führt, diesen Weg ist er immer sehr gerne gegangen. „Das ist mein Lieblingsplatz“, erzählt er im Redaktionsgespräch. Und schon sitzt Heiner Block auf der Eichenbank am Orgeltisch. Jetzt ist er Herr über 36 Register, drei Manuale und insgesamt 2592 Orgelpfeifen. Und diese Königin der Instrumente, die seit der Renovierung vor ein paar Jahren wieder einen brillanten Klang hat, spielt er stets mit wahrer Inbrunst. Und das seit 35 Jahren. Ein 36. und 37. Jahr werden aber nicht folgen, denn der koordinierende Kirchenmusiker mit Ausbildereignung, wie es in der Stellenbeschreibung heißt, hat die Hälfte seiner Altersteilzeit erreicht. Zum 1. Juli wechselt der 62-Jährige in die passive Phase. An diesem Wochenende (Sonntag, 29. Juni) wird ihn die Pfarrgemeinde St. Martin in der 11-Uhr-Messe und nachmittags ab 17 Uhr in der Pfarrkirche in den Ruhestand verabschieden. Dazu ist die ganze Pfarrgemeinde eingeladen. Dass er einmal 35 Jahre lang als Kirchenmusiker in Nottuln arbeiten und leben würde, „das habe ich mir anfangs nicht vorstellen können“, gesteht der heute mit seiner Frau Barbara in Darup wohnende Block. Die Entscheidung für Nottuln habe er nicht bereut. „Das war eine gute Entscheidung“, sagt der dreifache Familienvater, dessen drei längst erwachsene Töchter mittlerweile eigene Kinder haben und ihn zum fünffachen Großvater gemacht haben. Eine Situation, die ihn sehr freut. Der gebürtige Coesfelder begann seine berufliche Laufbahn 1982 als Küster und Organist mit C-Examen in St. Marien Ochtrup. Von 1985 bis 1989 absolvierte er ein kirchenmusikalisches Studium in Berlin und schloss mit dem Erwerb des B-Examens ab. „Die Zeit in Berlin war wahnsinnig interessant“, erzählt er. Nicht nur wegen der Hochzeit (1987) und der Geburt der ersten Tochter (1988), sondern auch wegen der Ereignisse zur Maueröffnung. „Wir wohnten damals in Wedding. Den 9. November 1989 habe ich auf der Bornholmer Brücke erlebt.“ Doch weil es in Berlin wenig Arbeitsmöglichkeiten für katholische Kirchenmusiker gab, zog die junge Familie zurück ins Münsterland. Am 1. Oktober 1990 nahm Block seine Tätigkeit in Nottuln auf. Der Anfang einer beruflichen Laufbahn, die sich stetig weiterentwickelte. Erst nur für St. Martinus Nottuln zuständig, wurde Block nach der großen Kirchenfusion 2009 Kirchenmusiker für die ganze Gemeinde Nottuln. Nicht allein, wie er betont, denn „wir sind ein Team“. Viele kennen Heiner Block als Organisten der Gottesdienste, doch umfasst seine Arbeit viel mehr. Froh ist er zum Beispiel darüber, dass er es in den 35 Jahren geschafft hat, dass in allen vier Kirchen die Orgeln umfassend saniert wurden. „Es war nicht immer einfach, die notwendigen Gelder dafür zu bekommen“, verrät Block. Dabei seien nicht die örtlichen Pfarrgremien das Problem gewesen („Sie haben mich immer unterstützt.“), vielmehr habe er manchmal sehr lange auf Entscheidungen des Bistums warten müssen. Ein weiteres großes Betätigungsfeld war die Arbeit mit den Kinder-, Jugend- und Erwachsenenchören. Zeitweise hatte er bis zu 250 Kinder und Erwachsene in verschiedenen Chören unter seinem Dirigat. Vor allem die Arbeit mit den Kindern bereitet ihm große Freude, weshalb er auch Projekte wie Jekiss (Jedem Kind eine Stimme) in den Grundschulen durchgeführt hat und aktuell auch noch weiter in der St.-Martinus-Schule durchführt. „Diese Arbeit mit den Kindern werde ich wirklich sehr vermissen“, verrät er. Vermissen werden auch die Kinder und Jugendlichen ihren „Heiner“. Denn mit ihm haben sie nicht nur viele Konzerte und Musicals einstudiert und erfolgreich zur Aufführung gebracht, sondern auch tolle Reisen zu nationalen und internationalen Chortreffen unternommen. Froh ist Heiner Block darüber, dass die zur Coronazeit eingeführte „(Orgel)Musik zur Marktzeit“ weiterhin gut angenommen wird. „Wir haben das damals als kirchenmusikalische Andacht angemeldet und konnten so die Einschränkungen ein wenig umgehen“, verrät Block rückblickend und erinnert sich gern daran, wie in dieser schwierigen Pandemiezeit die Menschen das Beisammensein in der Kirche geschätzt haben. „Ich hatte das Glück, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte“, zieht der 62-Jährige eine positive Bilanz zum Abschluss seines Berufslebens. Viele Anekdoten aus den 35 Jahren kann er erzählen. Dabei verschweigt er aber auch nicht, dass es auch schwierige und enorm arbeitsintensive Phasen gab. „Da bin ich besonders meiner Familie dankbar, dass sie das mitgetragen hat.“ Wie es nun im Ruhestand weitergehen wird, das hat er noch nicht im Detail geplant. Den Jekiss-Chor in der St.-Martinus-Schule werde er weiter betreuen. Außerdem habe er ein Musikkonzept für Kita- und Grundschulkinder entwickelt. „Dafür kann man mich gerne buchen.“ Zufrieden ist Heiner Block, dass es für ihn einen Nachfolger geben wird und damit die Wichtigkeit der Kirchenmusik betont wird. „Ohne Musik ist ein Gottesdienst nur ein Vortrag“, formuliert er ein wenig flott, um dann zu betonen, wie gut Musik und Singen für die Gesundheit sind, wie Musik Emotionen ausdrücken und Menschen verbinden kann. „Musik kann auch predigen“, sagt Heiner Block mit einer Inbrunst, die seine ganze Leidenschaft ausdrückt. 35 Jahre lang hat er diese Leidenschaft für die Pfarrgemeinde eingebracht.
